paPPa.com ist empört!
BERLIN-MITTE - Mit neuen Strategien will Familienministerin Christine Bergmann (SPD) Frauen helfen, sich gegen Gewalt ihrer Ehemänner oder Partner zu wehren.
"Jede dritte Frau ist von häuslicher Gewalt betroffen", erklärte Bergmann gestern in der Berliner Außenstelle des Ministeriums (Mohrenstraße). Das 1995 angelaufene Berliner Interventionsprogramm gegen häusliche Gewalt (BIG) habe "Modellcharakter", soll ergänzt und auf andere Länder übertragen werden.
So will Bergmann das Problem in den Griff bekommen: Mehr Schulungen für Polizisten und Richter (sie sollen sich verstärkt mit dem Problem auseinandersetzen). Eine Telefonhotline, die ab Januar geschaltet werden soll.
Bergmann: "Außerdem sollen Frauen bei Gewaltaktionen ihrer Partner die gemeinsame Wohnung behalten." Mehr Mut, sich gegen Männergewalt zu wehren, verspricht sich Bergmann auch durch eine Informationskampagne. Die soll aufklären, welche Strafen prügelnden Männern blühen. sn
TAZ-BERLIN vom 19.12.98, Seite 24
Wenn alles nach Plan läuft, wird im April 1999 die bundesweit erste "Interventionszentrale gegen häusliche Gewalt" ihre Türen in Berlin öffnen. Über eine rund um die Uhr besetzte Hotline sollen dort Betroffene, die von ihren Partnern oder Familienmitgliedern mißhandelt wurden, Hilfe erhalten. Das künftige Beratungsangebot steht außerdem auch NachbarInnen, LehrerInnen und BehördenmitarbeiterInnen offen. "Die Nummer der Hotline soll einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erlangen wie die polizeiliche Notrufnummer", hofft Birgit Schweikert, Koordinatorin beim Projektträger "Berliner Interventionsprojekt gegen Gewalt" (BIG).
Am Runden Tisch des 1994 gegründeten BIG, des zweiten in der Hauptphase des Projektes, saßen gestern Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), ihre Berliner Amtsnachfolgerin als Frauensenatorin, Gabriele Schöttler (SPD), Jugendsenatorin Ingrid Stahmer (SPD), Justizsenator Ehrhart Körting (SPD) und Innenstaatssekretär Kuno Böse (CDU) zusammen. Es ging, wie schon bei früheren Runden, um die Vernetzung der Behördenarbeit. Niemand aus der hochkarätigen Runde wollte bei der anschließenden Pressekonferenz die Gelegenheit verstreichen lassen, nochmals und nochmals für die gute Zusammenarbeit zu danken. Gemessen daran, muß es um die alltägliche Koordination zwischen den Senatsverwaltungen wahrlich grauenhaft stehen.
Das zu 60 Prozent von ihrem Bundesministerium finanzierte Projekt habe schon sehr viel erreicht, lobte denn auch Christine Bergmann. Im nächsten Jahr solle das lange geplante soziale Trainingsprogramm für Täter nun endlich anlaufen. Voraussetzung ist, daß der Täter von einem Berliner Gericht im Rahmen einer Bewährungsauflage zur Teilnahme verdonnert wurde.
Neue Töne waren von der Innenverwaltung zu hören. Die Gewalt sei ein Produkt der "Ungleichheit zwischen Frau und Mann", so Staatssekretär Böse. Die Mitarbeit bei BIG habe ihm deutlich gemacht, wie verbreitet das Delikt häusliche Gewalt sei. In einer von BIG angeregten Datenerhebung über drei Monate in der Polizeidirektion 7 seien 526 Einsätze gegen häusliche Gewalttäter gezählt worden, also fünf bis sechs pro Tag allein im Bereich Hellersdorf/Prenzlauer Berg. Nun seien bei der Polizei Fortbildungsmaßnahmen eingeführt worden, "bei sehr vielen männlichen Mitarbeitern der Polizeibehörde" habe "ein Umdenken" eingesetzt.
Der Großteil der männlichen Journalisten interessierte sich jedoch besonders für die Frage, was denn mit den Männern geschehe, die von Frauen mißhandelt würden. Denen stünden die gleichen Wege offen, antwortete Ingrid Stahmer. Überhaupt, so die Senatorin mit ihrer unnachahmlichen Allen-wohl-und-niemand-wehe- Art, sei das Projekt keinesfalls "gegen Männer gerichtet". Kommentar der Bundesministerin: ein stiller Augenaufschlag gen Himmel.
Statt eines Kommentars zu diesem Schwachsinn der Hinweis auf die Übersetzung von "WHEN DID YOU LAST BEAT YOUR WIFE ? - Wann haben Sie zuletzt Ihre Ehefrau geschlagen ?" von Erin Pizzey, erschienen am 3. Juli 1998 in der Zeitung 'The Observer' (UK). Die Autorin räumt auf mit dem Mythos des gewaltätigen Mannes und der guten, hilflosen Frau. Bitte dort nachlesen. Hier nur einige Zitate:
F.A.Z., 6. Januar 1999, Nr. 4 / Seite 4
Studie: Viele Dänen werden von ihren Frauen geschlagen
KOPENHAGEN, 5. Januar (AFP). In Dänemark werden einer Studie zufolge viele Männer von ihren Frauen geschlagen. Fast ein Drittel von 100 befragten Männer habe angegeben, diese Art von Gewalt zu kennen, berichtete die Zeitung "Berlingske Tidende" am Dienstag. Bei der Untersuchung der Vereinigung "Far" zur Verteidigung der Interessen von Vätern sei jeder zweite der Betroffenen schon zwischen fünf und neun Mal geschlagen worden. Jeder vierte habe angegeben, seine Partnerin sei regelmäßig gewalttätig. Nach Ansicht des Wissenschaftlers Hans Bonde ist diese Art von Gewalt jedoch ein tabuisiertes Thema. Die Männer schämten sich und seien zu stolz, darüber zu sprechen. Deshalb tauche das Problem auch in den Statistiken nicht auf. Daß Frauen immer als das schwache und Männer als das starke Geschlecht gelten, sei ein Vorurteil.
Vergleiche desweiteren auch Matussek, Die vaterlose Gesellschaft, Kapitel 3: "Die Gewaltlüge" und die dortigen Nachweise zur feministischen Propaganda.
Bemerkenswert auch der Artikel in der Welt vom 31.3.99: Was
eigentlich will das Weib?
Der regierende Feminismus ist erstarrt: Noch
immer sieht er Frauen nur als Opfer / Essay von Mariam Lau
Da kann man sich nur dem Offener Brief an BM Christine Bergmann - Nov. 98 anschliessen: Geschlechterdemokratie! Forderung nach einem neuen Bündnis für Gleichberechtigung statt Geschlechterkonfrontation!
Siehe auch Feindbild
Vater: "In Frankfurt wird alle 17 Minuten ein Kind mißhandelt
/ In Frankfurt kriegen 8% aller Kinder zu Weihnachten Prügel / In
Frankfurt schlagen 2 von 23 Vätern ihre Kinder mit dem Gürtel
- und wir haben nur noch 3 Mitarbeiter, um ihnen zu helfen"
Mit diesem Plakaten warb der Deutsche Kinderschutzbund Frankfurt e.V. vor
Weihnachten um Spenden ...
Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen - Pressemitteilung - 99/062 - 62/1/99 - Düsseldorf, 29. Januar 1999
1,5 Millionen DM vom Land zur Bekämpfung
der Gewalt
Frauenministerin Birgit Fischer: "Initiativen
bieten konkrete Hilfe für Frauen und Mädchen in Krisensituationen
nach sexualisierter Gewalt"
Mit 1,5 Millionen DM unterstützt das Land 40 Initiativen, die für Frauen und Mädchen konkrete Hilfen nach sexualisierter Gewalt anbieten. Die nordrhein-westfälische Frauenministerin Birgit Fischer sagte heute (29. Januar 1999): "Die von uns geförderten Hilfeeinrichtungen bieten Unterstützung in Krisensituationen und psychosoziale Beratung, außerdem persönliche Betreuung der Opfer beim Gang zu Ärztinnen, Polizei und Gerichten."
Unter anderem in Notrufgruppen, Frauenberatungsstellen und Wildwassergruppen wird 1999 jeweils eine halbe Fachkraftstelle mit 37.500 DM gefördert (Liste im Anhang). Auch durch die Kooperation mit anderen Beratungseinrichtungen soll die Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder verstärkt und ausgebaut werden.
Damit wird die Hilfe ergänzt, die das Land bereits seit langem für Frauen in Not- und Krisensituationen leistet. Seit 1986 fördert Nordrhein-Westfalen Frauenberatungsstellen, inzwischen sind es 51 Einrichtungen. Bereits im Jahr 1997 wurde die flächendeckende Versorgung mit Frauenhäusern erreicht. Mit den jetzt geförderten 63 Frauenhäusern gibt es in jeder kreisfreien Stadt und in jedem Kreis mindestens ein vom Land gefördertes Frauenhaus. Darüber hinaus werden drei Zufluchtstätten für sexuell missbrauchte Mädchen und acht spezialisierte Beratungsstellen gegen Frauenhandel gefördert.
Die 40 geförderten Initiativen zur Hilfe nach sexualisierter Gewalt sind:
- Notruf Aachen
- Frauenberatung und Selbsthilfe Ahaus
- Frauen für Frauen Bad Honnef
- Notruf Bielefeld
- Wildwasser Bochum
- Notruf Bonn
- Frauenzentrum Courage Bottrop
- Frauenforum Brühl
- Frauenzimmer Burscheid
- Alraune Detmold
- Wildwasser Dortmund
- Notruf Duisburg
- Frauenberatungsstelle Düsseldorf
- Frauen helfen Frauen Euskirchen
- Frauenberatungs- und Kontaktstelle Gelsenkirchen
- Frauen für Frauen Gütersloh
- Frauen helfen Frauen Hagen
- Frauenberatungs- und Therapiezentrum Hamm
- Frauenberatungsstelle Herford
- Wildwasser Iserlohn
- Beratungsstelle für Frauen und Mädchen Jülich
- Frauenberatungsstelle Krefeld
- Notruf Leverkusen
- Frauenzentrum Frauenzimmer Meschede
- Wildwasser Minden
- Frauen helfen Frauen Moers
- Frauenberatungsstelle Mönchengladbach
- Notruf Münster
- Frauen helfen Frauen Neuss
- Frauen helfen Frauen Oberhausen
- Frauen helfen Frauen Olpe
- Frauenberatungsstelle Paderborn
- Frauenberatung/Frauennotruf Recklinghausen
- Frauen helfen Frauen Remscheid
- Frauen helfen Frauen Siegen
- Frauen e.V. Senden
- Frauen helfen Frauen Solingen
- Frauenforum Unna
- Frauenzentrum Viersen
- Notruf Wuppertal
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit, Tel.: 0211/855-3107 oder 3108.
Frauenministerin Birgit Fischer
Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit
des Landes Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf
Betreff: Millionen für Initiativen für konkrete Hilfe für Frauen und Mädchen in Not - 12.02.1999
Sehr geehrte Frau Ministerin Fischer,
laut Information vom 29. Januar des Jahres werden allein in Nordrhein-Westfalen dieses Jahr insgesamt 40 unterschiedlichste Initiativen zur Beratung und Unterstützung von Frauen in Not- und Krisensituationen mit einer Summe von DM 1,5 Millionen gefördert.
Als Frau und potentielle Nutznießerin dieses Angebotes bin ich von dieser Maßnahme begeistert und wünsche mir eine Fortsetzung oder sogar einen Ausbau der Förderung der entsprechenden Projekte.
Allerdings bleibt eine Frage für mich offen, die mich ebenfalls als Frau und zwar als Ehefrau und Mutter dreier Söhne beschäftigt. Und zwar die Frage:
WOHIN WENDEN SICH MÄNNER, DIE IN VERGLEICHBARE NOTSITUATIONEN GERATEN SIND UND HILFE BRAUCHEN ?
Ihr Ministerium steht, – analog zu den Alternativen der gesamten Bundesrepublik – wie schon der Name sagt, "Frauen, Jugendlichen und Familien" offen.
Auf den ersten Blick ist zu erfassen: Männer sind ausgeschlossen. Sie werden allenfalls als getarnte Größen im Familienbund berücksichtigt.
Für mich als Bürgerin eines Staates, in dem die Forderung nach Gleichberechtigung speziell in aller Frauen Munde ist, stellt dieser ausdrückliche Ausschluß der Männer eben die Gleichberechtigung in Frage, nach der es uns Frauen doch verlangt.
Wie also soll ich diesen Ausschluß verstehen?
Etwa so? Frauen gibt es in unserer Gesellschaft als Individuen, als eigenständige Spezies Mensch, ganz unabhängig von Mutterschaft und Familie. Als erste Bezugsperson werden sie in den Namen des entsprechenden Ministeriums gestellt und jederfrau/mann als Bezugsberechtigte sichtbar herausgestrichen.
Männer hingegen existieren in unserer Gesellschaft nicht? Ist das Individuum Mann, die andere eigenständige Spezies Mensch, unabhängig von Vaterschaft und Familie ein Phantom?
Gibt es Männer etwa nur innerhalb von Familien? Alleinstehend gehören sie zu den zu vernachlässigenden Peanuts einer auf alleinstehende Frauen und alleinerziehende Mütter fixierten Helferszene?
Geraten Männer nicht in Not? Sind sie unverletzbar? Oder haben sie nicht in Not zu geraten? Wird von ihnen erwartet, als kernig-harte Naturburschen der berüchtigte "Krupp-Stahl" der jüngst vergangenen Epoche zu sein und wie der Indianer keinen Schmerz zu kennen?
Brauchen sie niemals Hilfe? Beratung? Förderung? Keine professionellen Begleiter, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, keine Selbsthilfegruppen, keine Wiedereinglieferungshilfen nach Arbeitslosigkeit und Krankheit und all die anderen Angebote, die Frauen so reichlich zur Verfügung stehen?
Oder Jungen, das Gegengeschlecht zu jenen Mädchen, denen ausdrücklich Stütze und Förderung, Hilfe aus aller Not jederzeit ganz selbstverständlich und großzügig zugemessen wird? Gibt es Jungen etwa nicht?
Ist der ihnen von Männern und Frauen als Tätern und Täterinnen nachweislich angetane sexuelle Kindesmißbrauch, der bei Mädchen so üppig getröstet wird, nicht existent? Ist ihre Seele nicht trostbedürftig? Ihr Körper durch Gewalt nicht geschunden? Ihre Not nicht himmelschreiend?
Werden sie niemals zu Gewaltopfern? Oft genug auch durch Frauen? Brauchen Jungen keine Hilfe? Beratung? Förderung? Keine professionellen Begleiter? Nichts von alle dem, was Mädchen brauchen? Haben sie sich Schmerz zu verkneifen, ihr Elend allein auszulöffeln? Verstoßen aus den Reihen der Schützenswerten allein deshalb, weil sie – wie heißt es doch in gewissen Frauenkreisen so grausam schön – "mit Tatwaffe geboren werden"?
Ich frage Sie, sehr geehrte Frau Ministerin, wer gibt irgendjemandem in diesem Land das Recht, Mädchen und Jungen, Frauen und Männer so exorbitant ungleich zu behandeln und über dieses Unrecht auch noch tugendsam den Schutzmantel des Staates zu legen, der sich als Wächter der Gleichberechtigung wohl mit den verbundenen Augen der Justitia darstellt?
Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben. Wie ich bereits schrieb, ich habe drei Kinder, drei Söhne. Drei der Spezies Mensch, die von Ihnen als Vertreterin des Männer ausklammernden Ministeriums, aus dem sozialen Netz ausgeschlossen werden. Und das, obwohl sie eines Tages voraussichtlich die Renten derer zu finanzieren haben, von denen sie heute außen vor gelassen werden. Obwohl sie eines Tages voraussichtlich Väter sein werden und Frauen und Kind/er zu unterhalten haben, ganz egal, ob in der Ehe oder zum Zahlvater entwürdigt. Söhne also, die maßgeblich daran beteiligt sind oder doch sein werden, daß die Geldmittel zur Frauenförderung überhaupt zur Verfügung stehen und hoffentlich weiterhin stehen werden.
Wenn ich mir dies so recht betrachte, muß ich mir als Frau und Mutter überlegen, ob ich meine Söhnen nicht besser so erzöge, wie es zu ihnen in den Wald hinein schallt, so daß sie die Löcher im sozialen Netz nicht stopfen sondern beizeiten vergrößern lernen, um besser hindurch schlüpfen zu können, wenn der Fiskus zum Schröpfen kommt.
Mit der Bitte um Antwort grüßt
Dr. Karin Jäckel
cc: Bundesfamilienministerium
Die Antwort aus dem Bundesministerium:
BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN
UND JUGEND
53107 Bonn - Telefax 0228-930-4915 oder 930-2221
Geschäftszeichen (Bei allen Antworten bitte angeben) 401-0440-II
Bearbeitung: Frau Kühn
Bonn, den 09.03.1999
Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,
die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bedankt sich für Ihr Schreiben vom 12.02.1999. Frau Dr. Bergmann hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.
Das Ressort Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat ein klar gesellschaftspolitisch definiertes Profil, das sich im wesentlichen auf 5 Schwerpunkte konzentriert
1. Sicherung der Chancengerechtigkeit:
Förderung der Entwicklungschancen von Kindern, Unterstützung in Erziehungsfragen, Verbesseruhg der Beschäftigungschancen benachteiligter Jugendlicher und Aussiedler, Verbesserung der Rahmenbedingungen für hilfe- und pflegebedürftige Menschen, Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern.
2. Bekämpfung von Armut:
Verbesserung der sozialen Lage von Familien und Kindern, eigenständige Alterssicherung für Frauen, Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
3. Stärkung der Solidarität in der Gesellschaft:
Förderung von Integration durch Schaffung eines kinder-, familien- und altengerechten Umfeldes, Förderung der gesellschaftlichen Partizipation älterer Menschen, Stärkung des Ehrenamtes und der Freiwilligendienste.
4. Schutz vor Gewalt:
Verstärkter Schutz von Frauen, Kindern und älteren Menschen, Bekämpfung von Frauenhandel und Prävention von Jugendkriminalität.
5. Förderung von Gleichstellung:
Maßnahmen zur Verbesserung der Selbstbestimmungsrechte der Frauen, Stärkung der Teilhabe von Frauen an Gesellschaft und Beruf, Gleichstellung der verschiedenen Familienformen und Stärkung•der Kinderrechte.
Die Frauenpolitik des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zielt im wesentlichen ab auf:
Diese Maßnahmen werden dadurch begründet, daß Frauen insbesondere
auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Soweit sie berufstätig sind,
weisen sie häufig unterbrochene Erwerbsbiographien auf. Sie sind oft
in niedriger bezahlten Bereichen tätig, häufig in Teilzeitbeschäftigung
und in den sozial nicht gesicherten "geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen".
Auch gut - und hochqualifizierten Frauen gelingt es nur selten, die höher
bezahlten Positionen zu erlangen, die ihren männlichen Kollegen mit
entsprechender Qualifikation offenstehen. Das Erwerbseinkommen von Frauen
ist im Durchschnitt 1/3 niedriger als das der Männer.
Diese Tatsachen sind keineswegs die Folge von Qualifikationsunterschieden. Die schulische Qualifikation von Mädchen ist mittlerweile sogar besser als die der Jungen. Der Anteil von Frauen an den Abiturienten beträgt 54%, an den Studienanfängern 52%. Auch die Durchschnittsnoten in den Abschlußzeugnissen sind häufig besser als die der Männer.
Das geringere Erwerbseinkommen von Frauen ist die Folge einer frauendiskriminierenden Einstellungs- und Beförderungspraxis sowie einer niedrigen Bewertung frauentypischer Berufe.
Allein vor diesem Hintergrund erachtet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend es für geboten, sich vorrangig für die Frauenförderung einzusetzen. [Hervorhebung nachträglich eingefügt.]
Die Bundesregierung strebt eine Gesellschaft an, die frauen- und familienfreundlicher ist. Mit der Erhöhung des Kindergeldes und der stufenweisen Anhebung der Einkommensgrenzen beim Erziehungsgeld soll dazu beigetragen werden, die materielle Situation der Familien zu verbessern.
Darüber hinaus läßt sich die Politik für Familien von dem Gedanken leiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer und damit eine partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Gesellschaft zu fördern. So soll z.B. die Umwandlung von Erziehungsurlaub es Müttern und Vätern ermöglichen, zeitgleich Erwerbs- und Familienarbeit flexibel zu kombinieren.
Selbstverständlich werden durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nicht nur Mädchen in Not- und Krisensituationen unterstützt, sondern Kinder und Jugendliche, egal welchen Geschlechts.
Die Bundesregierung fördert hierzu Maßnahmen aus folgenden Bereichen:
Details zu diesen Maßnahmen können Sie dem beigefügten Addendum zum Arbeitsprogramm der Bundesregierung gegen Kindesmißbrauch, Kinderpornographie und Sextourismus entnehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Kühn
[Anmerkung paPPa.com: Eine sprachliche Auswertung ergibt folgende Worthäufigkeiten:
Familie 15 - Kinder 9 - Väter 1 - Männer 4 - Mütter
1 - Frauen 29]
Dr. Karin Jäckel
Autorin
karin.jaeckel@t-online.de
13.3.99
Betreff: meine Anfrage bez. durch das Frauenministerium staatlich geförderter Männerprojekte - GeschZ 401-0440-II
Sehr geehrte Frau Bundesfrauenministerin Dr. Bergmann,
besten Dank für Ihr Schreiben vom 9. des Monats, welches mir in Ihrem Auftrag durch Ihre Sachbearbeiterin Frau Kühn zuging.
Leider muß ich gestehen, daß mich diese Antwort sehr enttäuscht.
Ich hatte Ihnen in meinem Erstschreiben konkrete Fragen gestellt und um ebenso konkrete Antworten gebeten.
Zu Ihrer Erinnerung: Ich wollte wissen, welche durch das von Ihnen geleitete Ministerium in vergleichbarem Ausmaß staatlich geförderte "Männerprojekte" es in unserem Lande gibt bzw. wohin sich meine drei Söhne hilfesuchend wenden sollten, falls sie in Not gerieten und ähnliche Unterstützung benötigten, wie sie Frauen in breitester Fülle selbstverständlich gewährt werden.
Zur Antwort habe ich neben einer interessanten Informationsquelle über
sexuelle Gewalt gegen Kinder – worin allerdings in Ignoranz der Fakten
nahezu ausschließlich von Mädchen die Rede ist - eine Fülle
feministischer Plattitüden erhalten, aus denen ich entnehmen muß,
daß
Nach Lektüre Ihres Briefes drängen sich mir neue Fragen auf,
sehr geehrte Frauenministerin. Fragen wie die, ob
Ihnen nicht zu denken geben?
In meinem seit 1975 ausgeübten Beruf als Autorin zahlreicher sehr erfolgreicher sozialkritischer Sachbücher, die sich mit den Lebenssituationen von Kindern, Jugendlichen und Frauen unserer Gesellschaft auseinandersetzen - auch in Gewaltsituationen wie dem sexuellen Kindesmißbrauch - sowie als verheiratete Mutter dreier Söhne im Alter von 12, 18 und 23 Jahren kann ich Ihren Ausführungen über die mehrheitlich armen, unterdrückten und unter der Übermacht der Männer leidenden Frauen unseres Landes weder folgen, noch Ihre Argumentation nachvollziehen, daß Männer stets die Aggressoren sind, die es zu dämpfen gilt.
Nicht nur meine Erfahrungen aus mehreren tausend Interviews, sondern zahlreiche aktuelle Studien – die Sie als Fachfrau ganz sicher kennen, so daß ich mir die Zitate ersparen kann – zeigen, daß Frauen machtvoll auf dem Vormarsch sind, seltener unter Identitätskrisen leiden als Männer, mehrheitlich die neu geschaffenen Arbeitsplätze besetzen und Männer ganz entschieden aus dem Berufsleben verdrängt haben.
Wie Sie in Ihrem Brief an mich haben ausführen lassen, haben Mädchen bessere Schulchancen als Jungen und strömen zahlreicher ins Studium. Zudem überzieht ein engmaschiges Netzwerk frauenorientierter Hilfsorganisationen mit wirksamen Fördermöglichkeiten das Land, wo Frauen - und nur Frauen - umfassend Lebenshilfe abschöpfen können.
Daß Frauen trotz eventuell sogar besserer Ausbildung seltener in Führungspositionen aufsteigen als Männer ist unbestritten. Aber – wollen sie es denn überhaupt? Die meisten von uns Frauen haben kein Interesse daran, sich in ihrem Job aufzureiben, Ellenbogen auszufahren und außertariflich = unbezahlte Überstunden in mit hoher Verantwortung belasteten Berufen abzuleisten. Die meisten ziehen es sehr überlegt und ganz bewußt vor, es geruhsamer zu haben, Freizeit planen und genießen zu können, Erfolg/Geld mit der Muße zum Shopping zu verbinden und soziale Kontakte zu pflegen. Die eisgekühlte Businesslady ist nur für die wenigsten Frauen die ersehnte Lebensperspektive.
Allerdings, und da kommt dann wieder u.a. die Arbeit Ihres Frauenministeriums zum Tragen, wird uns Frauen zunehmend eingetrichtert, daß frau nur das Geld wert ist, das sie verdient, daß nur die geldwerte Arbeit zählt und Männer letztlich soziale Versager, unfähige Ehegatten, desinteressierte Väter und auch im Berufsleben ihr Geld nicht wert sind, weil Frauen es locker besser machen könnten, würden die Männer sie denn bloß lassen.
Frauen, die keinen Beruf ausüben (wollen/müssen), werden von mir persönlich bekannten SPD-Funktionärinnen öffentlich als "Schmarotzerinnen" abgetan, "die wir nicht unterstützen". Die etwa in der Hausfrauengewerkschaft organisierten Mütter und Hausfrauen können davon ein Lied singen!
Demnächst wird, wie auf dem letzten Weltfrauentag beschlossen, selbst das Wort "Mutter" als diskrimierend abgelehnt und eine modernere Bezeichnung ersetzt.
Dazu paßt, daß das Wort "Vater" längst schon out ist und durch Bezeichnungen wie "Erzeuger" oder "Zahlvater" ersetzt wird. Oder daß frau/man nicht mehr von Kindererziehung spricht, sondern von "Aufzucht der Brut". Oder daß in mehreren aus Ihrem Ministerium geförderten Frauenorganisationen Kindern, die ihre leiblichen Väter nicht sehen dürfen, weil z.B. die Mütter dies nicht dulden, "Leihpapis" zum Geburtstag gratulieren kommen dürfen, damit Kinder wenigstens mal erleben, was ein Papa ist.
Nicht zuletzt paßt dazu auch, daß laut öffentlicher Aussage einer mir ebenfalls persönlich bekannten Bonner SPD-Ministerin "Familie heute alle die sind, die aus einem gemeinsamen Kühlschrank essen".
Männer als die Sündenböcke der Nation zu diskrimieren, sie als Ehegatten und Väter ins Abseits zu schieben und lediglich auf ihre Samenspende nebst Unterhaltszahlungen zu reduzieren, entspricht jedoch nicht den Vorstellungen, Wünschen und Interessen von uns Frauen, sehr geehrte Frau Frauenministerin Dr. Bergmann.
Und es entspricht auch nicht unseren Vorstellungen, Wünschen und Interessen, von einer Politik dominiert zu werden, welche im Namen von Frauen Menschen allein aufgrund ihres Geschlechtes fördert oder dämpft, diskriminiert oder hochlobt.
Aus diesem Grunde mahne ich als Ehefrau sowie als Mutter dreier Söhne, als Schwiegermutter künftiger Schwiegertöchter sowie eines Tages vielleicht auch Großmutter zahlreicher Enkelinnen und Enkel die politische Gleichbehandlung der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes an.
Ich mahne die von uns, dem Volk, gewählten obersten Interessenvertreter dieses Landes an, endlich dafür Sorge zu tragen, daß Frauen und Männer sich wieder mit Respekt und Anerkennung begegnen können, daß sie gleichermaßen in ihren Bedürfnissen und Rechten gefördert werden und Familien wieder das sein dürfen, was sie sein wollen und in Wahrheit sind, nämlich ein von ethischen und moralischen Werten geprägtes dauerhaftes Miteinander von Mutter-Kind-Vater.
In Familien, deren Bindeglied der Kühlschrank ist, erfriert und verhungert man schnell, sehr geehrte Frau Frauenministerin Dr. Bergmann. Und da hilft es dann auch nicht, den Kühlschrank per Zwangspfändung der durch Scheidung ebenso wie Mütter verarmten Väter neu befüllen zu wollen.
Aus diesem Grunde bitte ich Sie erneut, mir mitzuteilen, welche Fördermittel für welche Männerhilfsorganisationen das Frauenministerium in Bonn bereit gestellt hat sowie in Zukunft bereit stellen wird und wo Männer/Jungen diese finden.
Ihre Auskunft werde ich sehr gern in meinem neuen Ratgeber für Väter nach der Scheidung berücksichtigen und sie überdies bereitwillig an jeden bei mir persönlich Rat suchenden Vater sowie an Mütter und Kinder, Großeltern und andere Angehörige weiterleiten.
In Erwartung Ihrer Antwort
grüßt Sie freundlich
Dr. Karin Jäckel
[Anmerkung paPPa.com: Gut gebrüllt, Löwin!]
Ministerium
für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen
40190 Düsseldorf - Tel. (0211) 86 18-47 14 Telefax (0211) 86 18-47
08
Auskunft erteilt: Frau Aßhorn-Waiz
Aktenzeichen (bei Antwort bitte angeben): II A 1 1180.1
29. März 1999
Initiativen für konkrete Hilfe für Frauen und Mädchen in Not
Ihr Schreiben vom Februar 1999
Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,
Frau Ministerin Birgit Fischer bedankt sich für Ihr Schreiben vom Februar 1999 und hat mich gebeten Ihnen zu antworten.
Sie fragen, wohin sich Männer in persönlichen Notlagen wenden können und vermuten, dass Männer von der Politik des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen ausgeschlossen werden. Neben den von Ihnen angesprochenen speziell an Frauen gerichteten Beratungsstellen besteht in Nordrhein-Westfalen ein vielfältiges psychosoziales Beratungsangebot, das sich gleichermaßen an Frauen und Männer richtet. Allein die allgemeinen Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern sowie Ehe- und Lebensberatungsstellen werden mit. 47 Mio. DM jährlich vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützt.
Es werden zudem auch spezialisierte Beratungsstellen, zwei Kinderschutzambulanzen und zwei Kinderschutzzentren gefordert, bei denen auch von sexualisierter Gewalt betroffene Jungen sich an erfahrene Berater und Beraterinnen wenden können. Z. B. hat die Kontakt- und Informationsstelle des Zartbitter e.V. in Köln 1996 mit Unterstützung des Landes das Projekt "Überregionale Beratungsarbeit bei sexueller Gewalt gegen Jungen und bei komplexer sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen" begonnen.
Leider ist es notwendig, besonders Mädchen und Frauen qualifizierte Beratungsmöglichkeiten und Hilfe nach Gewalttaten anzubieten. Leider ist häusliche Gewalt weit verbreitet. Schätzungen zufolge ist in jeder dritten Partnerschaft schon einmal Gewalt angewendet worden. Ganz überwiegend sind dabei Männer die Täter und Frauen und Kinder die Opfer. [Hervorhebung durch Fettschrift nachträglich eingefügt.] Auch werden sehr viel mehr Mädchen von sexualisierter Gewalt bedroht als Jungen. In Nordrhein-Westfalen ist es mit den bisher aufgebauten Hilfsangeboten mittlerweile gelungen, wenigstens einen Teil der Betroffenen zu erreichen.
Ihre Einstellung, dass die Kehrseite von Frauenförderung Männerdiskriminierung sei, kann ich nicht teilen. Es sind die Frauen, die wegen Kindererziehung aus dem Beruf ausscheiden mit allen materiellen Konsequenzen. Es sind Frauen, die im Durchschnitt ein Drittel weniger verdienen als Männer und kaum in Führungspositionen gelangen können. Es sind Frauen, die die unbezahlte soziale Arbeit m unserer Gesellschaft leisten. Frauenförderung ist somit erst einmal der Abbau von Männerbevorzugung. Zwei Beispiele mögen Ihnen verdeutlichen, dass Gleichstellungspolitik notwendigerweise auch an Verhaltensänderungen von Männern ansetzt, denn nur so werden wir das Ziel einer gleichberechtigten Gesellschaft erreichen.
Das bereits 1997 und 1998 erfolgreich durchgeführte Initiativprogramm "Selbstbehauptung für Mädchen an Schulen" ist 1999 um Angebote für Jungen erweitert worden. Neue Forschungen zur Sozialisation von Jungen und jungen Männern haben ergeben, dass der unreflektierte koedukative Unterricht auch bei Jungen teilweise Entwicklungsmöglichkeiten unberücksichtigt läßt. Ziel der Kurse ist, Jungen und Mädchen zu gewaltfreier Konfliktbearbeitung zu belobigen und ihre Kommunikationsfähigkeit zu stärken.
Ein weiteres Beispiel, dass sich Frauenpolitik auch an Männer richtet, ist der Einsatz meines Hauses für eine bessere Vereinbarkeit: von Familie und Beruf. Mütter und Väter, Söhne und Töchter sollen davon profitieren, dass die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und hilfsbedürftige Angehörige weiter verbessert werden und dass z. B. familienfreundliche Arbeitszeitmodelle entwickelt und ausgebaut werden. Besonders wichtig ist mir dabei, dass auch Männer die Möglichkeit erhalten und sie nutzen, ihre Erwerbstätigkeit zugunsten von Familienaufgaben einzuschränken. Hier unterstützt Nordrhein-Westfalen z. B. die Initiative der Bundesregierung, Müttern und Vätern zu ermöglichen, den Erziehungsurlaub auch gemeinsam in Anspruch zu nehmen.
Ziel ist und bleibt das partnerschaftliche und gleichberechtigte Zusammenleben von Männern und Frauen. Die Rahmenbedingungen hierfür zu verbessern und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen ist Leitlinie auch der Frauenpolitik in Nordrhein-Westfalen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
(Cornelia Prüfer- Storcks)
Jungen mögen keine Anti-Macho-Kurse
Zwei Düsseldorfer Ministerinnen stoßen mit ihrem Projekt
in den Schulen auf wenig Gegenliebe
Die nordrhein-westfälische Schulministerin Gabriele Behler und Frauenministerin Birgit Fischer wollen den Jungen an den Schulen des Landes traditionelle Rollenklischees abgewöhnen. Doch ihr Angebot in Form von Wochenendkursen kommt bei den Schülern nicht gut an.
Von Jürgen Zuheide, Düsseldorf
Dennis Klein weiß nicht recht, ob er lachen oder weinen soll. "Das ist doch der totale Schwachsinn", urteilt der 16jährige Schüler aus Düsseldorf, als er nach der neuesten Idee der Landesregierung für ihn und seine männlichen Mitschüler gefragt wird. Zugegeben, man hatte ihn ein wenig provokativ gefragt und wissen wollen, ob er denn am Wochenende bereit sei, in Frauenkleider zu schlüpfen, um mit seinen Klassenkameraden die alten Rollenklischees kritisch zu reflektieren.
Im Rahmen dieser Übungen sollten sie ruhig einmal weinen dürfen und, wenn es dem Ziel der Veranstaltung dient, sich gegenseitig massieren. "Das bringt doch überhaupt nichts", pflichtet der 16jährige Andreas Vogel bei und wirft den frauenbewegten Denkern in den Ministerien den Ball zurück: "Es gibt heute eher zu viele dominante Mädchen, die hätten die Kurse nötiger; die Macho-Zeiten sind längst vorbei."
Die Schulministerin war entsetzt über das Echo auf die wohlgemeinte Aktion, für die sie und ihre für Frauenfragen zuständige Kabinettskollegin Birgit Fischer im laufenden Jahr satte 800000 Mark auszugeben bereit sind. "Es ist ja unbestritten, daß es männliche Gewalt an Schulen gibt", verteidigt sich Behler, fügt aber schnell an, daß diese Beispiele nicht zum Programm gehörten. "Die Rollenbilder müssen auf den Prüfstand, aber nicht in dieser karikierenden Weise", lautet ihre Marschroute. Die Ministeriumsplaner wollten den Schulen ein Angebot für "Selbstbehauptung und Konflikttraining" im ganzen Lande anbieten. Die Kurse richten sich sowohl an die Mädchen wie an die Buben, natürlich streng getrennt. Vorzugsweise sollen die Mädchen von Lehrerinnen und die Jungen von männlichen Kollegen auf ihr Rollenverständnis hin trainiert werden.
Das Ganze findet in der Regel am Wochenende statt, Noten werden nicht vergeben. In einem gemeinsamen Erlaß haben die beiden Ministerinnen jetzt die Details der Übungen geregelt, von Jungenspielen in Frauenkleidern ist da nicht die Rede; ausgeschlossen ist das allerdings nicht, wenn die jeweiligen Übungsleiter glauben, daß es weiterhilft.
Mit großen Worten werden die Ziele für die Jungen formuliert. "Die Befähigung zu gewaltfreier Konfliktbearbeitung und Stärkung der Kommunikationsfähigkeit sollen Schwerpunkte der Kurse sein", legen die Kultusplaner fest. Pro Kurs überweist das Ministerium 1500 Mark; allerdings erst, nachdem die Bürokratie geprüft hat, ob die pädagogischen Ziele erreicht werden.
Die Schüler bleiben kritisch. "Die sollten das Geld lieber für mehr Lehrer ausgeben und die Qualität der Ausbildung verbessern", schlägt Dennis Klein seiner Schulministerin vor. Michael Hirsch, ebenfalls 16 Jahre, hat eine andere Idee: "Die sollten das lieber in Jugendzentren stecken statt in so einen Mumpitz". Nach seiner Meinung ist der ganze ministerielle Ansatz falsch: "Wir Jungen sind schon sehr fürsorglich, und die Mädchen können sich ganz gut selbst durchsetzen." Ob die Ministerinnen damit zufrieden sind?
Kommentar zur obigen Meldung von Dr. Karin Jäckel:
Wenn ich meine drei "Knaben" in ihrem inzwischen an der Schule mehrheitlich weiblichen Umfeld erlebe und höre, was sie so erzählen, muß ich den beiden 16jährigen absolut zustimmen.
Diese verblödeten Gewaltklischees von bösen Buben und sanften Jungfrauen sind allenfalls noch eine Kabarettnummer. Die Realität sieht längst schon so aus, daß die sanften Jungfrauen dank ständiger Bösmacherei die dank ständiger Befriederei längst konfliktscheuen Knaben das Laufen und Raufen per Kickboxtritte und Tiefschlag lehren.
Haben Sie schon mal von >Ritalin< gelesen, diesem Medikament, das man in den USA auf Wunsch der Lehrerinnen so gern Jungen verabreicht, damit sie sanfte Lämmlein werden sollen, und das mittlerweile seinen Eroberungszug auch nach Europa angetreten hat? Das wäre doch etwas für Frau Fischer; käme vermutlich billiger als die derzeitigen Entmachoisierungskurse und würde weitere Lehrer einsparen, weil schlafende Jungen kaum Belehrungen brauchen, was wiederum den ohnehin längst als klüger, wißbegieriger und erfolgreicher enttarnten Leistungsträgerinnen der Zukunft zugute käme.