Der Deutsche Mann - vom Macho zur Memme? Titel des Spiegel special-Heftes 7/97 Inhaltsverzeichnis

Leseprobe zum Thema:

Unfair Ladies

Christian Kronherr fordert Gleichberechtigung für alle - für wirklich alle

Alles, was Männer am heutigen Feminismus nicht verstehen, passiert im Aufzug zwischen dem Schlund der Tiefgarage und den lichten Höhen der Führungsetagen. Irgendwo im Fahrstuhlschacht muß eine wundersame Wandlung geschehen. Unten noch angsterfülltes, schwaches Geschlecht mit dem Recht auf einen gut beleuchteten Parkplatz nahe dem Ausgang, oben taffe Power-Frau mit schier übermännlichen Fähigkeiten. Wer mag das verstehen? Frauen natürlich.

Sie verstehen ja auch, warum sie fünf Jahre früher in den Ruhestand eintreten, aber statistisch gesehen auf eine sieben Jahre längere Lebenszeit hoffen können. Unterm Strich bedeutet das satte zwölf Jahre länger Mallorca.

Frauen beanspruchen ein Wahlrecht zwischen Kindern und Karriere. Haben das die Männer? Früher blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Brötchen aus dem Feuer zu holen, jetzt sollen sie nehmen, was ihnen die Partnerin überläßt.

Justitia, du bist Frau und blind. Läuft in der Beziehung etwas schief, haben die Väter bei der Kinderverteilung normalerweise das Nachsehen. Außerdem werden im Scheidungsfall meist die Männer von den Frauen, selten umgekehrt, ausgeraubt.

Höhepunkt weiblicher Chuzpe: Wenn Frauen das Recht auf Wehrdienst einfordern, meinen sie stets die Option, nie die Pflicht. Zwischen können und müssen liegt der feine Unterschied.

Sorry, my unfair Ladies. Mit Gleichbehandlung hat das alles recht wenig zu tun. Unbestritten, daß Frauen für gleiche Jobs oft weniger Geld bekommen, mehr von der Arbeitslosigkeit bedroht sind und noch ein weiter Weg bis zur Ausgewogenheit bei der Postenverteilung zurückzulegen ist. Die Kurve des Frauenanteils bei höherqualifizierten Jobs weist jedoch unaufhaltsam nach oben.

Eine forcierte Entwicklung würde bedeuten, Frauen bei gleicher Qualifikation eindeutig zu bevorzugen. Eine dialektische Sackgasse. Würden da nicht einfach alte Fehler mit verkehrter Polung wiederholt werden?

In einer frisch aufgeräumten Beziehungkiste sollte tatsächlich jedes Stück in der richtigen Ecke stehen. Nicht Vorteile still einsacken und Nachteile lauthals rausschreien. Augenmaß wäre gefragt. Auf beiden Seiten.

In den Medien sind wir Männer längst in die Defensive geraten. Heute sind im Journalismus Geschlechter-Geschichten eindeutig Frauensache. Wer sich für die jeweilige Sache einsetzt, wird entweder als forsche Kolumnistin beklatscht oder als dumpfer Macho abgeurteilt. Versuchen Sie einmal, mit einer Frau ernsthaft über sexuelle Belästigung, ausgelöst durch atemberaubend kurze Miniröcke, zu diskutieren. Dann wissen Sie, was gemeint ist.

Selbst die letzten Reservate werden uns erbarmungslos genommen. Mit dem Zutrittsrecht zu englischen Herrenklubs und den Wiener Philharmonikern haben die Frauen längst die letzten Bastionen des intimen Mann-Seins gestürmt. Wenn wir jetzt noch die korrekte Männerquote bei "Emma" durchsetzen, wären zwar unsere Ziele nicht erreicht, aber wenigstens so etwas wie Gerechtigkeit geschehen.

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[Hinweis paPPa.com: Siehe auch Farrell: Mythos Männermacht]

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